Laserkraft in Bilsen

Wie von Mark Forster prophezeit, ging für „Biene Maja“ eine neue Tür auf. Die kleine Stute erholte sich sichtbar von dem operativen Eingriff und nach ein paar Tagen hieß es dann: Umzug in die Reitanlage, in die eigene Box.
Im Laufe der Regenerationsphase wurde es dann etwas spooky – ein bisschen á la „Star Wars: „Möge die Macht mit dir sein“. Denn irgendwie nach Science Fiction klingt die Lasertherapie mit dem FP4 Multifrequenz-Laser für mich schon….

Es handelt sich hierbei um eine moderne Therapieform, die schon seit Längerem in der Humanmedizin eingesetzt wird und mittlerweile auch immer öfter bei akuten sowie chronischen Erkrankungen des Pferdes Anwendung findet. Im Vordergrund stehen generell die Behandlungen bei Sehnen-, Band- und Gelenksentzündungen, Arthrosen und schlecht heilenden Wunden.
Welch ein Glück für „Biene Maja“, dass Experten auf diesem Gebiet die Puzzleteile aus jahrelanger Erfahrung und technischen Details erfolgreich zusammengesetzt haben. Daraus entstand ein System, welches exakt auf die Bedürfnisse der Pferdemedizin abgestimmt ist.
Ich selber hatte mit diesem Thema bislang noch überhaupt keine Konfrontation und musste mich auch erst einmal informieren….

Im Internet findet man nachstehende Beschreibung: „Bei der Lasertherapie handelt es sich um eine nicht invasive Therapieform die durch die lokale Applikation elektromagnetischer Strahlung Veränderungen des Gewebes auf zellulärer Ebene hervorruft….“ Okay, ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich musste den Satz schon 2x lesen, um ihn annähernd zu verstehen…. und in meiner Vorstellung hat es auch irgendwie schon wieder übermenschliche Kräfte… Frei nach dem Motto: „Vor lauter Aufregung hat mein Partner einen Schaltkreiskollaps erlitten.“ (C3PO)

Nachdem ich mich aber anschließend noch mal in der Klinik durchgefragt hatte, kann ich folgende Aussage – hoffentlich verständlich- weitergeben: Durch die Anwendung findet eine Stimulation des Gewebes statt, welche dann einen positiven Effekt auf die Erneuerung des geschädigten Gewebes hat. Außerdem wird der Zellstoffwechsel angekurbelt sowie die Entzündungszellproduktion gehemmt. Nach meiner Recherche – und mittlerweile auch den Erfahrungen hier in der Klinik- würde ich aber sagen, dass die Erfolgsquote für sich spricht…
Und hey: „Tue es oder tue es nicht. Es gibt kein Versuchen.“ (Meister Yoda)
Also los: Einmal täglich ging „Biene Maja“ nun von ihrer Box in der Reitanlage über den Hof in einen der Behandlungsräume der Klinik. Dort wurde sie dann von einer Person festgehalten und von einer Mitarbeiterin wurde das „Laserschwert“ entsprechend vor die zu therapierende Stelle gehalten. Alle anwesenden Personen müssen hierbei eine spezielle Schutzbrille tragen. „Star Wars Maskenball“ 

Jeder Patient hingegen bekommt natürlich ein individuell zugeschnittenes Laserprogramm appliziert. „Biene Maja“ war sehr kooperativ und spielte geduldig mit. Da die Behandlung absolut schmerzfrei ist, tolerieren die meisten vierbeinigen Patienten diesen Prozess auch anstandslos… Die Dauer eines solchen Laser-Prozesses variiert – abhängig vom Programm -zwischen 5 und 30 Minuten pro Anwendung an 10 aufeinander folgenden Tagen…

Glücklicherweise gehörte auch „Biene Maja“ zu der Patientenriege, bei der die Lasertherapie erfolgreich anschlug und das Bewegungsprogramm konnte langsam wieder gesteigert werden. „Da fällt mir aber ein Stein von der Platine.“ (C3PO)

Auf dem Weg … in den OP

„Auf dem Weg, auf dem ich lauf, bin ich an so vielem vorbeigerauscht. Auf dem Weg,
liegt was ich such….“ Ein Dauer Ohrwurm von Mark Forster bei mir….

Intrinsisch gesucht hat „Biene Maja“ ihn wohl nicht, aber auf dem Weg der Stute lag tatsächlich auch schon mal ein Operationssaal. Ja, richtig! Ein Operationssaal. Die kleine Herzensfreundin von „Mister X“  hat nämlich wirklich schon einen operativen Eingriff in Vollnarkose hinter sich….

Generell heißt es für alle OP-Patienten in der Pferdeklinik Bilsen standardmäßig, vorausgesetzt es handelt sich natürlich nicht um eine Not-OP(!!), einchecken in den Klinikstall am Vortag. Hier werden dann alle notwendigen Operationsvoruntersuchungen gemacht. Beispielsweise Herz- und Kreislauf des Vierbeiners kontrolliert und die Blutwerte im hauseigenen Labor auf die Narkosefähigkeit geprüft.

„Biene Maja´s“ Werte waren glücklicherweise tipp topp und so ging es für sie am Folgetag Richtung Operationssaal…in die so genannte „Ablegebox“. Mit Hilfe einer beweglichen Wand werden die Pferde hier – wie der Name schon sagt – für den geplanten Eingriff abgelegt und dann mit Hilfe eines Krans durch die große Flügeltür auf den OP-Tisch gelegt. In „Biene Majas“ Kopf sang Mark Forster jetzt wohl weiter: „Und manchmal glaub ich, ich geh wie auf Schienen, ich folg dem Weg, doch will da gar nicht hin ….“

Als ich diese Aktion das erste Mal beobachten durfte, staunte ich nicht schlecht. Ein logistisches Meisterwerk: Irgendwie crazy: „Pferd am Kran!“

Nun wurde „Biene Maja“ wunschgemäß auf dem OP-Tisch platziert und an das Narkosegerät angeschlossen. Wie in der Humanmedizin besteht das Operationsteam auch bei den Tieren aus Chirurg, Assistenz und Anästhesisten. Die Patientin trug zwar kein OP-Hemd „mit hinten offen“ – aber die Crew dafür schicke brombeerfarbene Op-Kleidung 🙂 Es handelte sich bei „Biene Maja“ glücklicherweise lediglich um einen Routineeingriff, der auch recht schnell ging. Nachdem die Wunde dann mit einer schönen Naht verschlossen wurde, hieß es „Weiterfahrt am Kran“ durch die Seitentür in eine gepolsterte Box – Aufwachraum in der Humanmedizin.  Hier wurde dann nach dem ersten Schlucken der Stute der Tubus zum Beatmen entfernt, das Pferd konnte in Ruhe wach werden und bekam dann etwas Aufstehhilfe in Form von menschlicher Unterstützung. A la „Wake me up, before you go go…“  Neben der Aufwachbox auf einem kleinen Podest standen zwei Mitarbeiterinnen und halfen der Stute mit dem Einsatz von Longen sich aufzustellen. Hat – zumindest optisch-  ein bisschen was von einem Marionetten-Spiel… Doch auch ohne Flügel musste der eigentliche Antrieb hier natürlich von „Biene Maja“ selber kommen, denn 600 Kilo könnte wohl auch „Meister Proper“ nicht einfach so hoch heben, aber ein bisschen unterstützen kann man die Vierbeiner natürlich….

Erleichterung! Adrenalin und Anspannung der Pferdebesitzerin ließen merklich – und verständlicherweise –  nach. Der operative Eingriff war geschafft und das Pferd stand wieder auf allen 4 Füßen – zwar noch etwas wackelig von der Narkose – aber immerhin schon wieder so gut, dass „Biene Maja“ ihre vorübergehende Unterkunft im Klinikstall – der Krankenstation- wieder beziehen durfte…

Wie bei 2-beinige Patienten bekommen natürlich auch die 4-Beiner nach solch einem operativen Eingriff in Vollnarkose an den drauf folgenden Tagen eine entsprechende Nachsorge. Und wie in der Humanmedizin stand selbstverständlich auch hier jeden Morgen Visite, Temperaturkontrolle, Wundversorgung und Verbandswechsel auf dem Plan….

Aber hey, wir wissen ja:

„Egal was kommt, es wird gut, sowieso. Immer geht ’ne neue Tür auf, irgendwo….“ 🙂

 

Mit einem Freund ist das Leben schöner

Ich hatte unterdessen bestimmt zwei Falten mehr im Gesicht – aber nun war ich unendlich erleichtert!  Und wie sagte bereits Brigitte Bardot so schön: „Ich bin stolz auf meine Falten. Sie sind das Leben in meinem Gesicht.“ So: cést la vie!

„Mister X „ durfte nun mehrfach die Woche „schwimmen“ und hatte inzwischen nicht nur sein Seepferdchen, sondern mittlerweile auch den Freischwimmer mit Bravour abgelegt. Meine eigene Aufregung, die unweigerlich da war, ließ von Schwimmstunde zu Schwimmstunde etwas nach … und mein Puls pendelte wieder im Normalbereich.

Durch die Arbeit war mein Pferd nun deutlich ausgelassener und zufriedener, so dass ich zusätzlich mit ihm spazieren gehen und ihn an der Longe grasen lassen konnte.  Manchmal sind es eben die kleinen Dinge im Leben, die einen smilen lassen …. 🙂

Das Training wurde stetig etwas gesteigert. Ein netter Nebeneffekt der Nutzung des Wellnessbereiches war natürlich, dass „Mister X“ immer blitz-blank glänzte 🙂 Wenn ich auf dem Treppchen neben dem Aquatrainer stand und das Muskelspiel meines Pferdes beim „Wasser treten“ beobachten konnte, wuchs die Vorfreude, mich wieder in den Sattel, auf seinen Rücken schwingen zu dürfen.

Doch wir alle wissen: wenn man wochen- oder gar monatelang nicht auf dem Pferd saß, ist man definitiv nicht mehr „Miss Sporty“ und macht da oben auch leider nicht mehr die beste Figur.  Doch, ich freute mich über einen weiteren Stepp auf der Trainingsleiter…

Beginnend mit 15 Minuten Schritt reiten steigerten wir uns gemeinsam wieder bis  zur ersten Unterrichtssunde. Ich hatte fast jeden Tag Muskelkater in Bauch und Beinen…aber so langsam lief es wieder 🙂

Frei nach dem Motto „Wir treffen heute uns’re Freundin Biene Maja!“ hatte „Mister X“ mittlerweile auch eine neue Weide Freundin…. und war mindestens genauso verliebt wie Willi….

Diese kleine Biene sagt in einer Maja Folge: „Mit einem Freund ist das Leben schöner!“ Dem stimme ich voll und ganz zu! Und ja, vieles auch leichter!  So hatten „Mister X“ und seine kleine Freundin zusammen einen Zahnkontrolltermin im Kalender stehen.

Zahnkontrolle? Ja richtig! So wie wir Menschen halbjährig zu Vorsorge Untersuchung zum Zahnarzt gehen, haben eben auch die Pferde einen entsprechenden Routine Termin…  Ich selber gehe wirklich nicht gern zum Zahnarzt! Und da hier in der Zwischenzeit alle mitbekommen haben, dass ich ein sehr emotional, empathisch denkender Mensch bin, fühlte ich natürlich wieder mit den Vierbeinern mit, als die Tierärztin mit Maulgatter und Zahnraspel um die Ecke kam….

Das erwähnte Gatter bekam „Mister X“ zum Öffnen seines Mundes entsprechend in den Kiefer eingespannt. Dies sieht zwar ein bisschen fies aus, tut den Vierbeinern bei richtiger Anwendung jedoch nicht weh. Mit großen Augen, aber sehr artig, ließ er sich die Prozedur gefallen und die Tierärztin fuhr einmal langsam mit der Hand über seine Zähne, um entsprechende Haken usw. ausfindig zu machen. Wie von mir erwartet kam dann auch rasch die Aussage: „Oh, da müssen wir rechts aber auf jeden Fall ein bisschen raspeln…!“

Gesagt getan! Zu den Zeiten als ich „Biene Maja“ geguckt habe, wurde dies noch  manuell „per Hand“ durchgeführt. Die Raspel  hatte damals optisch Ähnlichkeit mit einer verlängerten Hornraspel vom Schmied – aber wir sind ja fortschrittlich und mittlerweile geht auch dies mit elektrischem Werkzeug. Mit entsprechender Stromzufuhr konnten wir loslegen. Das Geräusch hatte leider schon ein bisschen was vom Bohrer beim Zahnarzt und keine Ähnlichkeit mit Flips Geigenklängen – aber „Mister X“ war gut gestellt und recht kooperativ. Die ganze Aktion dauerte auch wirklich nicht lang…. am meisten Skepsis kam bei ihm auf, als es am Ende hieß: “Mund ausspülen“.  Denn natürlich ging dies nicht mit einem kleinen Plastikbecher über dem Waschbecken – sondern es hieß: Wasserschlauch her und  „Wasser Marsch!“

Aber auch dies meisterten wir erfolgreich. Geschafft! Das Maulgatter wurde abgebaut und mein Pferd war sichtlich erleichtert, dass nun alles wieder „normal“ war….   Er schnaubte zufrieden… Jetzt war „Biene Maja“ dran und es ging noch einmal von vorne los….“the same procedure as every year”.

Generell erfolgt jede Zahnbehandlung mit dem Ziel, die Gesundheit, die ungestörte Futteraufnahme und die Rittigkeit des Pferdes zu verbessern oder wieder herzustellen.  Und natürlich gibt es entsprechende Symptome, dass Zahnprobleme vorliegen … wie zum Beispiel das Ausspucken von „Heuwickeln“, Kopfschlagen beim Fressen oder Reiten bis hin zu abnormen Geruch oder sogar Maulbluten.

Denn geben wir Wilhelm Busch Recht“ Ein weher Zahn- schlechter Schlafkumpan.“

Seepferdchen Workout

„Splish Splash – I was taking a bath, long about a Saturday night….“

Wir alle kennen diesen Song und ich verbinde ihn immer mit der Duschszene von dem Erdmännchen „Billy“ – anlässlich des Zeichentrickfilmes  “Konferenz der Tiere“.

In diesem Fall war es zwar nicht „Saturday night“, aber „Splish Splash“ trifft wohl den Nagel auf den Kopf 😉 Oder den Sattel auf dem Pferd! Aber okay, zäumen wir das Pferd nicht von hinten auf – sondern ich beginne vorne zu erzählen….

Das Kernstück des Rehabereiches ist der Aquatrainer – der besagte Wellness- und Fitness Trackt der Pferdeklinik Bilsen – so wie ihn nun mal auch viele Hotels haben. Jedoch ist die Intension für die Vierbeiner eine etwas andere….

Der Aquatrainer gewährleistet einen optimalen Muskelaufbau bei gleichzeitiger Entlastung der Sehnen, Bänder und Gelenke. Dieser entscheidende Vorteil ist vor allen nach Operationen oder beim Antrainieren nach langer Schonphase des Pferdes – wie eben auch bei „Mister X“-  für den Therapieerfolg ausschlaggebend. Also auch ein bisschen Mucki Bude 🙂

Am ersten Tag wurde „Mister X“  mehrfach durch den geöffneten Trainer über das Laufband geführt, um sich an die ungewohnte Umgebung gewöhnen zu können und etwas zu akklimatisieren. Aufgeregt, aber dankbar, endlich wieder was tun zu dürfen, konnten wir am zweiten Tag bereits das Laufband starten. Das Ganze war zwar noch eine wasserlose Trockenübung, aber so langsam hatte er verstanden, was er machen sollte. Teilweise war das Geschehen um ihn herum zwar spannender als das Laufband, so dass er gelegentlich doch noch mal aus dem Takt kam, aber die zwei tiermedizinischen Fachangestellten hatten die Lage vertrauensvoll im Griff. Tag 3: die Spannung stieg! Der Aquatrainer wurde geschlossen und langsam etwas Wasser dazu gelassen….

Doch all die Aufregung war im Nu verfolgen: Spaß auf ganzer Linie!  „Splish Splash“ nutze „Mister X“ jede Gelegenheit mit dem Wasser durch die Gegend zu spritzen. Ob mit den Vorderbeinen ordentlich in Bad zu plantschen oder auch mal das Maul abtauchen zu lassen – mein Pferd war hier sehr kreativ. An einem Tag duschte er eine Helferin komplett –  diese lief dann den Rest des Tages in einer pinken OP-Hose durch den Stall – sorry… 🙂

Generell sieht ein Trainingablauf so aus, dass die Rehapferde, je nach den individuellen Bedürfnissen, 20-30 Minuten in dem Aquatrainer arbeiten. Wasserhöhe und Laufgeschwindigkeit können hier spezifisch angepasst werden.

„Well I stepped out the tub, I put my feet on the floor, I wrapped the towel around me ….“ Fast 😉 Nachdem das Wasser zum Ende einer Trainingseinheit wieder abgelassen worden ist,  wird die vordere Tür geöffnet und das „Seepferdchen“ hinaus geführt. Nun geht das Beauty Programm mit einseifen, abwaschen, bürsten und trocknen unter dem Solarium weiter…. Herzlich Willkommen im Spa für Pferde 🙂

„Mister X“ wurde also optimal antrainiert – was sollte jetzt noch schief gehen…?!

Szintigraphie – the name of the game

Okay, meine Fremdsprachen-Kenntnisse seien also mal dahin gestellt….

…von daher: Szintigraphie – was ist das? Zwar keine französische Vokabel – dennoch, bevor ich in der Pferdeklinik Bilsen begonnen habe zu arbeiten, definitiv ein Fremdwort für mich. So, „What’s the name of the game?“  :

Wie das Röntgen ist auch die Szintigraphie ein bildgebendes Verfahren. Ziel ist es Entzündungsherde im Skelett darzustellen. Hierfür wird dem Pferd ein radioaktiv markierter Stoff in die Vene gespritzt, welcher im Zusammenhang mit dem Knochenstoffwechsel in die Knochensubstanz eingebaut wird und nach 1-2 Stunden mittels einer Gammakamera dargestellt werden kann.

Nach dem Spritzen dieses Stoffes hieß es also 2 quälend lange Stunden auf den Beginn der Untersuchung zu warten…. doch dann ging es endlich los!

Normalerweise dürfen Pferdebesitzer bei dieser Untersuchung nicht dabei sein. Hier kam mir das Privileg zu Gute, nicht nur Pferdebesitzerin sondern eben auch Mitarbeiterin der Pferdeklinik Bilsen zu sein.

Verkleidet – also wieder mit entsprechender Schutzkleidung ausgestattet, führte ich „Mister X“ in den Untersuchungsraum mit der Gammakamera….

Generell können Ganzkörper- und Teilkörperszintigraphien durchgeführt werden.

Um den besagten Fissur Verdacht am Unterarmknochen belegen – oder nach Möglichkeit natürlich ausschließen zu können – war bei „Mister X“ eine Teilszintigraphie der Vordergliedmaße ausreichend.

Nachdem mein Pferd durch eine erneute kleine Sedation zur Ruhe gekommen war, platzierte die anwesende Tierärztin die fahrbare Kamera entsprechend neben sein verletztes Bein.

Die Szintigraphiebilder sind im Vergleich zu den Röntgenaufnahmen recht bunt. Ein bisschen wie die außerirdische Version von „Malen nach Zahlen“. Auch, wenn der „rote“ Bereich natürlich einen negativen Beigeschmack hat…

Diagnose: Knochenödem lateral am Radius

Bedeutete zwar keine absolute Katastrophe – jedoch bekam der Patient für 3 Wochen strenge Bettruhe verordnet.

Ich versuchte ihm diese Zwangspause so angenehm wie möglich zu gestalten und alle Krankenhausannehmlichkeiten ans Tageslicht zu kehren, die mir so einfielen:

Es gab 3 Gänge Schonkostmenüs aus Äpfeln, Möhren und Mash.

Ausgiebiges Putzen stand auf dem täglichen Plan – denn ein neuer Schlafanzug steigert ja bei zweibeinigen Patienten bekanntlich auch das Wohlbefinden.

Mähne und Schweif bekamen einen Friseur Termin: waschen, schneiden, legen, sprühen, verziehen, verlesen….

Jeden Tag, den wir so Richtung Genesung schafften, machte ich ein Kreuz im Kalender – wie ein kleines Kind, was sich auf Weihnachten freut. Wahrscheinlich war ich ungeduldiger als der Patient. Ich wollte so gern mit ihm raus, in die Sonne. Vitamin D und Lebensfreude tanken.

Aber dann… „Mamma mia, here we go again „Endlich erfolgte die Kontrollszintigraphie:

Diagnose: Knochenödem in guter Abheilung

In so guter Abheilung, dass wir nun wirklich in die Sonne durften – theoretisch! Praktisch sah das etwas schwieriger aus! Denn „Kontrollierte Schrittbewegung“ stand auf dem Patienten-Rehaprogramm. Wirklich nicht so einfach! Viel lieber wollte er quietschend und bockend durch die Gegend springen. Zwei Mal täglich stand dieser Walking-Einsatz auf der to-do-Liste. Trense, Longe, Handschuhe gehörten zur Grundausrüstung…

…bis wir dann glücklicherweise nach ein paar Tagen auf den Wellness- und Fitness Bereich der Pferdeklinik Bilsen zurückgreifen durften: den Aquatrainer!

 

Selfie mit Durchblick

Was ich in diesem Moment fühlte? Ich war irgendwie Teil eines schlechten Traums… alles spielte sich ab, wie ein Film…. Ein bisschen wie bei Namika „ Je ne parle pas francais… “ …nur hörte sich das irgendwie alles gerade nicht so richtig „nice“ an…

Es sollten also Röntgenaufnahmen von „Mister Xs“  Bein gemacht werden. Klar, die meisten von uns waren wahrscheinlich schon mal beim Arzt und haben sich das ein oder andere Körperteil entsprechend durchleuchten lassen.

Und gibt man den Begriff in eine beliebte Internetsuchmaschine ein, erhält man die Erklärung, dass es sich um ein bildgebendes Verfahren handelt, bei dem ein Körper von Röntgenstrahlen gescannt und die entsprechende Aufnahme dann festgehalten wird.

Ich persönlich hatte den Röntgenblick bislang nur aufgelegt, um die gereinigten Hotelzimmer zu checken….

Aber wie sieht „Röntgen“ jetzt in der Praxis beim Pferd aus….?

Während ich noch meine Gedanken sortierte, hatten sich alle anderen der Diagnostik Crew für „Mister X“ bereits in blaue Röntgenschutzkleidung gewickelt. Auch mir wurde nun eine Bleischürze (diese macht ihrem Namen alle Ehre und ist wirklich schwer!) und ein ergänzender Kehlkopfschutz gereicht.

Als erstes bekam „Mister X“ eine kleine Sedation – zumindest seine Aufregung war somit eingedämmt. Der eigentliche Grund war natürlich, dass er bei den anstehenden Aufnahmen stillsteht, die Bilder am Ende nicht verwackeln und schlussfolgernd entsprechend auswertbar sind. Dennoch – ich hätte mir vielleicht auch etwas Baldrian in den Morgenkaffee träufeln sollen….

Wie hat John Lennon das so schön formuliert: „Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“

Gespannt stand ich mittlerweile mit meinem Pferd im Behandlungsraum 1 – in diesem Raum ist das Röntgengerät an einer beweglichen Befestigung unter der Decke installiert. Generell verfügt die Pferdeklinik Bilsen über eine stationäre und eine mobile Form der digitalen Entwicklung von Röntgenbildern, so dass auch die Möglichkeit besteht, diese im heimatlichen Stall zu erstellen.

Die Röntgenplatte wurde nun von einer Helferin vorsichtig zwischen die Vorderbeine von „Mister X“ geschoben und die Röntgenanlage von der Tierärztin auf die gegenüberliegende Seite platziert. Mittels eines mobilen Auslösers wurden im Nu zwei Aufnahmen von dem rechten Unterarmknochen angefertigt. Technik die begeistert:  Auslöser drücken, umdrehen und das Bild auf dem Laptop Bildschirm sehen! Wow! So schnell ging kaum die Codierung der Zimmerschlüssel an der Hotelrezeption.

Wenn ich nicht so aufgeregt und ja, ich will mal sagen, etwas konfus gewesen wäre, hätte ich wohl auch die Bildqualität zu dem Zeitpunkt schon zu schätzen gewusst… Aber wie bereits erwähnt, wenn das eigene Pferd krank ist, wirbeln Verstand und Wahrnehmung halt manchmal etwas orientierungslos durcheinander….

Froh, dass auf den Röntgenbildern keine „Katastrophe“ zu sehen war, überrollte mich daraufhin folgende Aussage schonungslos:„Um eine Fissur ausschließen zu können, sollten wir ihn noch in die Szinti stecken.“

„Je ne parle pas français…. ich wünscht‘, ich könnte dich verstehen….“

 

 

Achterbahn der Gefühle

Die Sonne schien aus allen Knopflöchern an diesem Tag im Juni.

Feierabend und durch die Sonne reiten stand auf meiner Wunschliste für den weiteren Tagesablauf.

Gut gelaunt marschierte ich pfeifend über den Hof zu „Mister X“. Er bewohnte eine helle, schöne, große Fensterbox. Zwar ohne Meerblick, aber in der Hotelsprache definitiv ein Zimmer der Superior Kategorie.

Mit Vorfreude auf den bevorstehenden Ausritt begann ich ihn zu putzen.

Doch plötzlich änderte sich für mich das Wetter von Sommer Sonne auf Starkregen mit Donner und Hagel. Auf dem rechten Vorderbein befand sich eine deutliche, faustgroße Schwellung. Eine Mischung aus Panik und Ratlosigkeit ergriff mich und mein Herz schlug mir bis zum Hals.

„Herzbeben“ mit einer ganz neuen Bedeutung ….

Laut einem italienischen Dichter verrät das Gesicht die Stimmung des Herzens – gut, dass ich gerade keinen Spiegel bei mir hatte. Das darin zu erkennende Gesicht hätte ich wohl kaum erkannt.

Trotzdem versuchte ich meine Gedanken zu sortieren und rasch schloss sich der Kreis. Trittverletzung von der Weide.

Bingo! Anstatt Ausritt durch die Abendsonne stand nun wohl Lahmheitsuntersuchung für den nächsten Vormittag im Kalender.

Zu Übungszwecken hatte ich meine Daten bereits im Praxissystem angelegt. Ich konnte ja nicht ahnen, dass ich die Klinik auch direkt als Patientenbesitzer kennenlernen sollte….

Bei der Zimmerreservierung im Hotel werden die Daten der Gäste mit kleinen Vermerken, wie „Lactoseintoleranz“ aufgenommen, in der EDV der Pferdeklinik Bilsen hat man dann bei den vierbeinigen Patienten beispielsweise „Möhrenallergie“ notiert.

Das Gefühl aus Unwohlsein und Hilflosigkeit ergriff mich, als ich, mit meinem, auch etwas aufgeregtem Pferd, auf dem Pflaster vor den Behandlungsräumen stand. Ich weiß wie heute, dass ich sein nervöses Ohrenspiel betrachtete, was sich wohl ähnlich schnell steigerte, wie mein Pulsschlag.

Nach der eingehenden Betrachtung der leicht oval förmigen, mittlerweile sehr deutlich vorhandenen Verdickung am Unterarmknochen von „Mister X“, erfolgte nun die Untersuchung in der Bewegung. Und ich muss sagen, ich verstehe wirklich jeden Pferdebesitzer deren Nerven blank liegen, wenn ein Pferd sich dieser Leibesvisite der Tierärzte unterzieht.

Auch, wenn eine Lahmheitsuntersuchung in der Pferdeklinik Bilsen zum Alltag gehört… wenn das eigene Pferd krank ist, schaltet im Hirn automatisch ein Schalter um und nichts ist mehr Routine.

Im Schritt zeigte „Mister X“ auf der überdachten Diagnosebahn nur eine leichte Verzögerung vorne rechts, so dass er, ebenfalls an der Hand, vorgetrabt wurde.

Und auch für mein unmusikalisches Ohr, in der Schule spielte ich immer nur die Triangel, war  nun unmissverständlich zu erkennen, dass das Klappern der Hufe auf dem Asphalt keinen klaren Zweitakt wiedergab.

Auf Grund meiner Tätigkeit der letzten drei Monate in der Pferdeklinik Bilsen konnte ich logisch schlussfolgern, was nun als nächstes kommen würde….

…und schon schallte nachstehender Satz durch den Raum:

“Da müssen wir mal ein, zwei Röntgenbilder machen.“

Unser neuer Lebensabschnitt beginnt

Mit pochendem Herzen steuerte ich meinen bis unter das Dach beladenen Kombi inklusive Pferdeanhänger durch die Toreinfahrt.

Heute war es soweit: mein Pferd “Mister X“ zog im Pferdezentrum Bilsen ein.

Folglich war nicht nur ich aufgeregt, als ich ihn vom Hänger ablud und in seine neue Box führte. Mit gespitzen Ohren begrüßte er seine neuen Stallnachbarn. Doch nach einigen nervösen Runden durch das frische, raschelnde Stroh, widmete er sich dem für ihn angerichteten Heuberg.

Puh – Erleichterung! Es stimmt: „Ist das Pferd zufrieden, so ist es auch sein Mensch!“

Kaum entspannte sich mein Pferd, tat ich es auch und konnte anfangen, unsere Sachen vor Ort einzuräumen.

Das Pferdezentrum Bilsen verfügt über zwei helle, großzügige Stallgassen mit Fensterboxen. Jede der beiden Stallgassen hat eine eigene Sattelkammer und einen Waschplatz mit Solarium – zum Trocknen der Pferde und zum Wärmen der Muskulatur. Was „Mister X“ wohl zu so einem Sonnenprogramm sagt – dies war Neuland für uns.

Neben einer großen, schönen Reithalle gibt es einen Sand- und einen Grasreitplatz, zwei Longierzirkel – wovon einer überdacht ist, eine kleine Galoppbahn und eine Führanlage für die Pferde auf dem Gelände. Ganzjährig stehen Sandpaddocks zur Verfügung und im Sommer werden zusätzlich Weiden abgesteckt.

Mein Pferd war mir zu diesem Zeitpunkt deutlich einen Schritt voraus. Er hatte die ersten Schritte in unserem neuen Lebensabschnitt bereits gemacht.

Nun war ich dran: Mein erster Arbeitstag in der Pferdeklinik Bilsen rückte näher. Und es schossen mir so viele Fragen und Gedanken durch den Kopf:

  • Bin ich den Aufgaben gewachsen?
  • Kann ich mir die Namen aller Kollegen merken?
  • Hoffentlich mache ich nix falsch….

Wie gesagt, ursprünglich komme ich beruflich aus dem Hotelfach – und nun ja, nach einigen Tagen der Einarbeitung konnte ich amüsanter Weise diverse Parallelen ziehen.

Check-in und Check out- ob nun von zweibeinigen Gästen oder vierbeinigen Patienten.

Angebotserstellung, Reservierung und Abrechnung….

Individuell abgestimmte Menüfolgen, Raufutter extra – anstatt Chips aus der Minibar, Allergiker Bettwäsche: Späne Einstreu,

Nutzung des Fitness – und Wellnessbereiches: Aquatrainer und Solarium

Maniküre und Pediküre: Gern vereinbaren wir einen Termin beim Schmied vor Ort für Sie 😊

Das Vorstellungsgespräch

08:00 Uhr Morgens  –  ich öffnete die Haustür und BINGO, wie sollte es an diesem Tag im Januar anders sein – es schneite! Für mich, nicht gerade die mutigste Autofahrerin, lag schlussfolgernd eine sehr spannende Fahrt von Bremen nach Schleswig-Holstein vor mir.

Den Scheibenwischer im Dauereinsatz, war ich erleichtert, das Ortsschild von Bilsen tatsächlich unfallfrei und pünktlich erreicht zu haben. Voller Euphorie sah ich das schön eingeschneite Steinpferd am Tor zum Pferdezentrum im linken Augenwinkel und … fuhr geradewegs an der Einfahrt vorbei…. na super!

Als ich dann endlich, mit deutlich erhöhtem Pulsschlag, die Tür zu dem hellen Empfangsbereich öffnete, fielen mir sofort die dekorierten Wände ins Auge. Fotos von ehemaligen, dankbaren Patientenbesitzern sowie Poster mit fachspezifischem Wissen, schmückten den Sozialtrackt.

Nach dem offiziellen Teil des Vorstellungstermines, bekam ich eine Klinikführung und eine Mischung aus begeistertem Erstaunen und Ehrfurcht kam in mir auf…. Mit Playmobil hatte ich mit meiner Schwester zusammen früher oft das ganze Kinderzimmer in ein Krankenhaus – und ja, teilweise auch in Tierkliniken verwandelt. Aber was ich nun zu sehen bekam, überstieg meine damalige, doch schon sehr kreative Vorstellungskraft.

Schneller als ich gucken konnte, hatte ich plötzlich ein Pferd am Kopf, was gerade zur Diagnostik sonografiert werden sollte. Netterweise bekam ich von der zuständigen Tierärztin auch direkt eine kurze Erklärung bezüglich dessen, was sie mit dem Pferd macht.

Mein Rundgang führte mich schließlich über die große Pferdewaage bis hin zu dem Operationsbereich. Wow, spätestens jetzt war ich wirklich geflashed. Zwei beeindruckende Operationssäle gehören zu der Pferdeklinik Bilsen.

Im Zuge einer Operation oder zu anderen Anlässen stationär aufgenommene Pferde standen in hellen, freundlichen Boxen und guckten zufrieden auf die Gasse – neugierig, wer da entlang kommt.

Natürlich hatte ich mir den Aquatrainer im Rehabereich bereits vorab im Internet angeschaut – aber so live in Farbe und Action ist das wirklich ein beeindruckendes Erlebnis, wenn man auf der Anhöhe daneben steht, man die Rückenmuskulatur der Pferde arbeiten sieht und gelegentlich Wasserspritzer abbekommt….

Verrückt! Hätte man mir vor Jahren, als ich Menüs geplant oder Hotelauslastungen berechnet habe, jemand prophezeit, dass ich einmal in einer Pferdeklinik arbeiten werde,  hätte ich ihn wohl ausgelacht… nun ja, cést la vie:

seit dem 01. März 2015 bin ich selbst Teil der Mitarbeiter Crew – im Verwaltungsbereich.

Und, wie singt Wincent Weiss in dem Anfangs erwähnten Songtext so schön:

Wenn was endet fängt was Neues an, muss nur dran glauben und dann wird alles gut… „  🙂

 

Herzlich Willkommen in der Pferdeklinik Bilsen!

,,Ich brauch‘ frische Luft,
damit ich wieder´ bisschen atmen kann;
Irgendwo sein, wo ich noch niemals war.
Nehm‘ meine Jacke und lauf‘ einfach los

…. so lautet es in dem uns allen bekannten Songetext von Wincent Weiss, seines 2017 veröffentlichten Liedes.

Wir gehen noch ein kleines bisschen weiter zurück – in das Jahr 2015.

So einfach, dass ich nur meine Jacke genommen habe und los gelaufen bin, war es zwar nicht, aber der Drang, neue Wege einzuschlagen, wuchs zunehmend in meinem Unterbewusstsein…

Mein Lebenslauf reichte bis dato über diverse Jahre Berufserfahrung im Hotelfach und nach einem abgeschlossenen BWL Studium, hatte ich mittlerweile sogar ein Diplom in der Tasche.

Doch wie sagt man so schön: „Der Zufall geht Wege, da kommt die Absicht gar nicht hin.“  Für mich öffnete sich jedenfalls durch Zufall eine Tür, die mich mein komplettes Leben mit Absicht auf den Kopf stellen ließ.

Dieser Weg führte mich von der schönen Hansestadt Bremen, mit circa 557 464 Einwohnern,… richtig, nach Bilsen! Neben ungefähr 730 Einwohnern zählt der kleine Ort im Süden von Schleswig-Holstein eine beachtliche Summe von Kühen und Pferden!

Im Jahre 2001 entstand dort, im Kreis Pinneberg, die Pferdeklinik Bilsen. Modern und pferdegerecht zusammengesetzt aus einem Büro-, einem Diagnostik- und Therapiebereich sowie dem stationären Stalltrakt.

Nun ja, mit Pferden bin ich durch mein Elternhaus in Niedersachen aufgewachsen, dieser Leidenschaft fortwährend verfallen und somit nicht ganz unwissend auf diesem Gebiet…

Doch solch eine Pferdeklinik hatte ich bis dato nie betreten.

Seid auch Ihr neugierig, wie es in der Pferdeklinik Bilsen aussieht und was die anfallenden Aufgaben rund um die Gesundheit der Vierbeiner betrifft? Ich arbeite nun, wie gesagt, bereits drei Jahre hier und nehme Euch gern mit auf diese Reise. Monatlich versuche ich an dieser Stelle Impressionen und Eindrücke aus dem täglichen Ablauf der Klinik weiter zu geben…

Begleitet mich doch gern auf diese kleine Expedition 🙂  Wir starten Mitte April.